Monatsrückblicke

2018 Oktober Tendenz aufwärts

Meine Operationswunde von Mai ist noch immer nicht verheilt. Es ist ein Loch unter meinem Arm, das mich zögern ließ.

Mein Sohn sprach ununterbrochen von Urlaub. Alle seine Freunde haben all ihre Urlaubsgeschichten bereits im Morgenkreis erzählt- nur wir hielten uns mit einer Reise noch vorsichtig zurück.

Dabei war es eigentlich genau das, wonach wir uns sehnten:
Mal raus- raus aus dem Krebswahnsinn, Abstand gewinnen, Kraft tanken und mal nur für uns zu sein.
Früher (damit meine ich neuerdings immer „vor dem Krebs“), waren unsere Aufgaben zu Hause sehr ausgewogen. Mit dem Krebs nicht- es waren eigentlich ständig noch Dinge zu erledigen, weil eben alles Zeit brauchte und Kraft. Und die meisten Aufgaben hatten die Voraussetzung, dass ich wach war. Wie sollte das alles gehen?

Ganz spontan haben wir uns entschieden, unsere Wünsche nicht mehr hinter die to-do’s zu stellen und buchten spontan einen Last-Minute-Urlaub nach Lanzarote. Den Geburtstag unseres Sohnes feierten wir noch zu Hause- nach der Piratenparty wollten wir los.

Wir reisen gern, aber diese Reise galt nicht dem Besichtigen, Erkunden und Entdecken.
Leider kann ich euch deshalb fast nichts über Lanzarote erzählen. Als wir dort waren, haben wir gemerkt wie leer unsere Akkus eigentlich wirklich waren und es tat gut sie mit Ruhe, Entspannung und Familienzeit (ohne Krebs) wieder aufzutanken.
So haben wir alle lange geschlafen, spät gefrühstückt, viel gespielt und sind noch geplanscht und die Sonne genossen.
Es tat uns gut, das Meer und die Luft- es war ein Traum. Die Insel wollen wir trotzdem noch erkunden, irgendwann in der Zukunft, die es in unseren Gedanken wieder gibt.

Die Zeit, die wir uns trauen vorauszudenken wird immer länger 💕 Wisst ihr was das bedeutet? Das bedeutet, dass auch die Hoffnung, die wir nie aufgegeben haben sich nicht aufbraucht- sie wird immer größer.

Dieser Urlaub war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, er hat uns sehr erholt. Selbst die Fatigue ist in den Hintergrund getreten, sodass ich plötzlich viel Energie hatte, Aufgeschobenes zu erledigen. Ich fühlte mich tatsächlich gestärkt und ja- fast gesund.

Am 19.10.2018 war ich wieder in der Onkologie. Das ist nichts ungewöhnliches und war mir schon zur Gewohnheit geworden. Zwischen den Chemozyklen muss ich nämlich immer zur Zwischenkontrolle- Blutwerte checken, Rezepte abholen, Befinden abklären- Routine.
Die Ärztin blickte noch kurz auf mein Bestrahlungsfeld, um sich von den Heilungsfortschritten zu überzeugen.

Stirnrunzeln. Flashback.

Es gab eine auffällige Stelle im Bestrahlungsfeld und ich sollte gleich eine Hautbiopsie durchführen lassen. Verdacht auf Hautmetastasen. Diese Nachricht ließ mich sehr hart auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen. Sehr hart. Denn natürlich beäuge ich meinen Körper seit der Krebs-Diagnose kritisch, aber diese Pusteln waren nicht auf meinem „Krebsradar“ erschienen.

Leider (und gleichzeitig zum Glück), weiß ich inzwischen mit schlechten Nachrichten umzugehen und weiß auch, wie lange sich die Wartezeit bis zum Ergebnis ziehen kann. Deshalb konnte ich die Wartezeit eigentlich gut überbrücken, indem ich mich mit Alltagsmomenten und schönem auftankte.
Nein, ich habe nicht an „was wäre wenn’s“ gedacht und ich habe auch nicht gegoogelt. Das habe ich die letzten Male gemacht.
Sich auf worst-case-Szenarien einzustellen, ist niemals eine gute Idee.
Ich habe es selbst noch nicht erlebt, dass es mir danach besser ging.
Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich war dankbar, dass die letzte Zeit mir diese Klarheit gebracht hat.

Am Tag, an dem ich angerufen werden sollte, war ich trotzdem nervös. Ziemlich nervös sogar.
Zuerst klingelte das Telefon und alles, was ich erfuhr war, dass die Pathologie-Berichte noch nicht da seien.
Beim zweiten Mal, rief mich das Brustzentrum fast mit einer Schnappatmung an:

„Es sind keine Metastasen!!!!! Es sind einfach keine!!!!“

Diese Erleichterung könnt ihr euch nicht vorstellen. Vierzig-Millionen-Zweitausend-dreiundfünfzig Steine purzelten mir vom Herzen.

Ich widmete mich wieder etwas Schönem zu -dem Leben- und notierte in mein Logbuch:

„Wir manövrieren uns langsam aber sicher aus der Lebenskatastrophe.
Die Mannschaft ist vollständig. Falscher Alarm.
Keine Krebse auf Lanzarote“

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