Monatsrückblicke

2018 November, November…

Dem November sagt man nach, das er ziemlich trist ist. Grundsätzlich vertrete ich die Haltung, dass es nicht so ist.

November ist, was man draus macht!
(So, oder so ähnlich könnte ein Slogan lauten, wenn man lahm versucht all mögliche Positivität in einen kleinen Satz zu quetschen).
Klappt nur leider nicht allzu gut. Bei mir jedenfalls nicht in diesem Jahr.

Es begann eigentlich ziemlich vielversprechend. Ziemlich schwungvoll sogar.

Sehr motiviert startete ich endlich meine Krankengymnastik. Ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt langsam versuche kann, etwas langfristig Gutes für mich zu tun.
Die Gefahrenzone Krebs als Gewinnerin zu verlassen, zu jubeln, um dann meine Muskeln wieder zu stärken.

Das klingt ziemlich olympisch, aber in der Realität beginne ich mit ziemlich langsamen Seniorenübungen
(und leider muss ich sogar zugeben, dass manch einer mich auf der begleiteten Trainingsfläche triumphierend beim Handfahrrad-fahren schlägt).
Nichtsdestotrotz habe ich Erfolge zu verbuchen- so kann ich meinen Arm im rechten Winkel anheben. Kurz. Ganz kurz.
Und für diesen Erfolg habe ich läppische drei Wochen gebraucht.
Neben der körperlichen Kraft trainiere ich gleichfalls eine andere Eigenschaft: Die Geduld.

Bisher konnte ich in Sachen Geduld aber noch keine Trainingserfolge verbuchen (ich übe noch!)

Dann kam es kurz knüppeldick. An einem Freitag-Nachmittag fing es mit leichten Zahnschmerzen an. Sonntag war mein Gesicht aber so weit angeschwollen, dass es mich zum Notzahnarzt trieb. Aber ich sage euch eins: Nicht die Zahnschmerzen trieben mich dorthin, sondern mein Kopfkino.
Das spielte beim Anblick meines Gesichtes nämlich sein Krebsspiel in den schillerndsten und dramatischsten Facetten ab.
Beim Notzahnarzt gab es eine kurze Entwarnung: es schien die Wurzel zu sein- keine Metastasen.
Allein diese Nachricht reichte aus, dass ich mich entschloss bis zum nächsten Tag zu warten, um zu „meinem“ Zahnarzt zu gehen.
Ziemlich schnell folgte zunächst aber hier auch eine Ernüchterung: es war mein Milchzahn.
(Ja- mein Schneidezahn ist ein Milchzahn)
Bei Milchzähnen ist eine Wurzelbehandlung nicht immer möglich. Zum einen ist der Zahn gute 25 Jahre über seiner Zeit in meinem Mund- zum anderen haben Milchzähne auch kürzere und empfindlichere Wurzeln.
Die Chance den Zahn zu halten waren also sehr gering.

Glücklicherweise wagte mein Zahnarzt es trotzdem. Die Entzündung ging zurück und ich durfte meinen Zahn behalten.
Vorübergehend- ein Implantat muss her, aber wenigstens grinse ich nicht mit einer Zahnlücke auf den diesjährigen Familienbildern.
Das hätte ich nur schwer ertragen können, denn schließlich sehe ich dieses Jahr auch ganz schön flach darauf aus.

Auf der Liste der Verluste landet auch mein Eierstock. Es gab eine Auffälligkeit auf der rechten Seite.
Nur ein pathologisches Ergebnis bietet endgültige Sicherheit und deshalb gab es für mich keine zwei Meinungen.
Der Eierstock musste ins Labor und dafür musste er raus. Auch hier Entwarnung. Es ist alles in Ordnung.

Von was habe ich mich auf meinem Krebskampf trennen müssen?

  • Haare
  • Wimpern
  • Augenbrauen
  • Beide Brüste
  • Eierstock
  • Mein Milchzähnchen. Zumindest in absehbarer Zeit.

Wenn ihr denkt, dass das alles war, dann muss ich euch enttäuschen.

Krebs ist ein unfairerer Kontrahent.

Ein Kommentar zu „2018 November, November…

  1. Und was hat dir dein Krebs nicht nehmen können?
    – die braunsten, schönsten und vor allen Dingen wärmsten Augen, die es gibt
    – deine Lust am Leben
    – deine ansteckende Freude an eben diesem Leben
    – deinen Humor
    – deine Wärme, deine Liebe und deine Herzlichkeit
    – deine Motivationszauberkräfte, mit denen du anderen so eine tolle Gefährtin bist
    – deine Wäscheberge
    – deinen letzten Pinsel
    – deine Familie, deren Nestwärme man durch alle Glasfaserkabel hindurch spüren kann
    – deine Lippenstiftsammlung (da hast du dem Krebs eher so einiges zu verdanken)
    – dein Mitgefühl und deine Sensibilität
    – dein Mom’s life und feeling für einen tapferen kleinen Kerl, der zwar eine kranke, aber nichtsdestotrotz die beste Mutter hat, die er sich wünschen kann
    – deine one and only Raufasertapete
    – deinen Orientierungssinn bei der täglichen Autosuche, denn den hattest du schon vor dem Krebs nicht
    – deine Freunde, weil die das Paulchen liebhaben mit und ohne Haare
    – deinen Optimismus, deine Stärke und dein inneres Stehaufmännchen, das immer dann zum Leben erwacht, wenn es mal ganz besonders düster aussieht
    – dein Lachen, das ich so gerne habe, auch wenn dir die geschwollene Backe bis zum Boden hängt.
    Alles Liebe, Suusl

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