Monatsrückblicke

2018 Dezember ein emotionaler Abschluss

Heute schreiben wir den 02.01.2019 und ich nehme das zum Anlass euch von Herzen alles Gute, Achtsamkeit, Freude und Gesundheit für das neue Jahr zu wünschen.
Nach den Feiertagen sitze ich nun hier an meinem Schreibtisch. Mein Mann arbeitet wieder, mein Sohn ist in der Kita und ich habe die Gelegenheit mal ordentlich durchzuatmen und euch von meinem Dezember zu erzählen.
Zugegeben hat mich dieser Dezember an emotionale Grenzen gebracht.
Das seltsame und unbekannte Gefühl? Diese Grenzen waren nicht negativ. Ganz und gar nicht.

Ich bin kein Wintermädchen. Ich mag den Sommer.
Was ich aber am Winter mag ist die Weihnachtszeit und so beschloss ich, mich ganz und gar in selbiger zu verlieren.
Das ist schwieriger als gedacht, denn gedanklich schwang die Weihnachtszeit des letzten Jahres an jedem Tag mit.

Ich dachte viel an das vergangene Jahr. Daran, dass ich meine ersten Chemos hatte. Daran, dass ich letztes Jahr im Dezember meinen Mann nach 10 Jahren wilder Ehe geheiratet habe. Daran, dass ich mit abrasierten Haaren vor dem Weihnachtsbaum saß und etliche Tränen verweinte und an den Jahreswechsel von dem ich glaubte, es sei mein letzter.

Dieses Jahr backte ich mit meinem Sohn Plätzchen, ging mehrfach ins Weihnachtsmärchen, ließ mich treiben, verbrachte viel Zeit mit meiner Familie und jeder Moment war mir sehr kostbar und teuer.
Ich bin keine autogen-fähige Estoterik-Frau, aber dieses Jahr verbrachte ich die Weihnachtszeit friedlich und bei mir selbst. Es gab nichts, was ich nicht genießen konnte und wirklich nichts brachte mich aus der Ruhe.

Am 17.12.2018 beendete ich meine Chemotherapie. Meine Akuttherapie ist beendet. Und jetzt sitze ich hier und bin gesund. Ich kann es immer noch nicht fassen.
Es ist ein bisschen so, als wäre ich einen Marathon gelaufen (achwas! Sagen wir einen Ironman!) und hätte die letzten Meter nochmal Anlauf genommen, um durchs Ziel zu springen. Ich bin müde, mir tut hier und da noch etwas weh, aber ich bin glücklich.
Meine ganze Behandlung über fehlten mir Erfolge. Während die anderen Patientinnen ihre letzte Chemo feierten, wurden meine Chemotherapien wegen Misserfolgs abgebrochen und ich landete im OP.
Als die anderen Patientinnen spürten wie ihr Tumor schrumpfte, wuchsen meine unkontrolliert heran.
Als meine Mitpatientinnen feierten, dass sie eine Komplettremission hatten (das ist das pathologische Gesamtergebnis, das besagt, dass keine aktiven Krebszellen mehr im Körper sind), kam mein Krebs wieder mit aller Gewalt zurück.
Als meine Mitpatientinnen ihre Abschlussrehas hatten, startete ich wieder mit einer Chemo, von der ich bis heute nicht weiß, ob sie mich geheilt hat.

Versteht mich bitte nicht falsch- ich habe mich für jede aufrichtig mitgefreut-, aber so tolle Meilensteine und positive Nachrichten hätten mir auf meinem Wege hin und wieder auch gut getan.

Am 17.12.2018 war es dann aber soweit:
Endlich durfte ich es auch laut sagen- das, woran ich in einigen dunklen Stunden selbst nicht geglaubt habe:
ICH HABE ES GESCHAFFT!

Am 19.12.2018 feierte ich zusammen mit meinem Mann meinen ersten Hochzeitstag. Glücklich und gesund.
Wir haben uns in den schwersten Zeiten die Ehe versprochen und in jenem Dezembertag stehen wir gesund da und sind jetzt mehr als bereit für die guten Zeiten.

Ich bin dankbar für jede Sekunde meines Lebens.
Ich bin überrascht, wie ich all das ausgehalten habe und ich hoffe für unsere kleine und starke Familie, dass uns so schnell nichts mehr erschüttern wird.
Der Weg zur fertigen Gesundheit ist noch lang, aber was ich auf dem Weg gelernt habe ist, dass wir stärker sind, als wir je geglaubt haben. Aber auch sensibler, als wir je sein wollten.
Und dass die Hoffnung auf ein HappyEnd zwar manchmal klein ist, aber dass sie sich auch aufblähen kann, bis es einem schier die Sinne vernebelt. Vor Freude.

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