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2021 Die Kliniktasche: Eine Packliste

Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich genau danach gegoogelt habe und in der Tat habe ich den ein oder anderen nützlichen Tipp in etlichen Foren „zusammenklabüstert“.
Während Einige ganz cool die Zahnpastatube am Vorabend der OP in den Kulturbeuel werfen, habe ich wirklich viel Zeit damit verbracht mich auf diese Operationen vorzubereiten.

Heute weiß ich, warum mir das so wichtig gewesen ist und ich kann euch deshalb dazu ermuntern, dieser „Unruhe“ nachzugehen.
Viele haben den Kopf geschüttelt, als die Pakete im Wochentakt bei mir zu Hause ankamen. Mit Nachthemden, mit Jogginghosen, mit Oberteilen, Badeschlappen.
Kleidungsstücke, die ich sonst ohne anzuprobieren eingekauft hatte, wurden auf Herz und Nieren begutachtet, anprobiert und auch oft wieder zurückgeschickt.
Ich verbrachte verhältnismäßig viel Zeit in Drogerien, las Blogs zum Thema Trockenshampoos und auch die Snacks sollten nicht zu kurz kommen und nahmen am Ende einen recht großen Teil meines Gepäcks ein.
All dieser Aufwand für 2 Tage Klinikaufenthalt? War es das wert? Definitiv ja.

Inzwischen blicke ich auf insgesamt acht Brustoperationen zurück und habe meine Packliste perfektioniert.
Darüber möchte ich mit euch plaudern.
Nicht über Sinn- und Unsinn von Gepäck, sondern zunächst über den Prozess davor.

Niemand von uns hat sich den Krebs ausgesucht.
Die Krankheit kam uneingeladen in unser bisher selbst zurechtgelebtes Leben und nahm uns vieles, das wir bisher selbst bestimmen konnten, einfach aus der Hand. Für uns ist die Operation ein Ausnahmezustand- für andere (unsere Ärzte, Schwestern, Pfleger) einen Teil ihres beruflichen Alltags.

Was passiert bei einer Operation, bei der wir narkotisiert im Tiefschlaf auf einem Operationstisch liegen?
Wie werde ich mich fühlen? Wie sieht das Ergebnis aus? Und was wird der Pathologe zu dem Stück Brust sagen, das er in seiner Petrischale an einem Montagmorgen auf seiner To-do-Liste der Woche finden wird?
Es gibt vieles, was wir nicht beeinflussen können. Und noch mehr, dem wir vertrauen müssen. Die Kliniktasche gab mir das Gefühl, ein bisschen Kontrolle zurückzubekommen und Teil des Gesamtprozesses zu sein.
Und wenn ich schon das Vertrauen in meinen Körper zeitweise verloren habe, so möchte ich doch mit meinen Fertigkeiten ein bisschen Einfluss und einen kleinen Beitrag leisten. Ich für mich.
Self-care par exelance.
 
„Brauchst du nicht“, „Übertreib nicht“, „Es sind doch nur x-Tage“.
Vielleicht hört ihr solche Sätze, oder vielleicht sagt ihr sie euch sogar selbst.
Vielleicht seid ihr auch Angehörige und wollt trösten und die innere Unruhe eures Lieblingsmenschen bändigen.
Vielleicht ist es an dieser Stelle besser, einen leckeren Tee zu besorgen und diese innere Anspannung und Ruhe gemeinsam auszuhalten.

Kompressions-BH
Nach einer Brusterhaltenden OP (BET) ist es wichtig einen engen und festen BH zu tragen.
Diese -zugegeben- mehr praktischen als schönen Teile bekommt ihr im Sanitätshaus.
In aller Regel werden euch die Kompressions-BHs noch im OP angezogen, weshalb es wichtig ist, sich bereits im Vorfeld darum zu kümmern und den BH dann zur OP mitzubringen.
Viele Krankenhäuser empfehlen einen „gut sitzenden“ Sport-BH.
Häufig hat das administrative Gründe, denn die meisten Kliniken können keine Rezepte ausstellen.
Geht daher ruhig zu eurem Gynäkologen, lasst euch zwei Kompressions-BHs verschreiben und wendet euch mit dem Rezept an ein Sanitätshaus eures Vertrauens. Das Rezept steht euch in jedem Falle zu.

Kleiner Tipp:
Kümmert euch ruhig schon mit ein wenig Vorlauf darum (Ich empfehle ca. 2 Wochen).
Ich hatte eine recht große Brust und die Größe meiner Kompression war nicht vorrätig.
Ich musste mich daher in eine eigentlich zu enge Kompression quetschen und das war für die Dauer des Tragens (mehrere Wochen) mehr als unangenehm.
Mit ein wenig Vorlauf kann das Sanitätshaus deine passende Größe beim Hersteller ordern und liefern lassen, sodass du pünktlich zur OP gut ausgestattet bist.

WLAN-Zugang
In den meisten Kliniken ist das Internet kostenpflichtig.
Man muss sich vorab einen Voucher, also einen Zugangscode kaufen, mit dem man sich ins Internet einloggen kann.
Wenn ihr könnt, dann kauft euch diese Voucher schon vorher, dann könnt ihr euch auf dem Zimmer einwählen und müsst nicht darauf warten, dass jemand euch eine Internetkarte mitbringt 😉

Ist alles organisiert und besogt, geht es an´s Packen. Diese Dinge haben sich in meiner Tasche bewährt:

Mehrwegstecker/Verlängerungskabel
Steckdosen im Krankenhaus sind entweder ungünstigerweise am Kopfende auf einer eher akrobatischen Streckhöhe, oder gemäß Murphys Law rechts in den 12cm- Platz quer diagonal hinter dem Tischwagen unterm Bett (Für euch getestet!)
Das Handy reicht mitsamt des Kabels gerade einmal bis zur Mitte des Oberschenkels. Das Handy laden und dabei eine Nachricht beantworten? Fast unmöglich.
Ich packe immer eine Mehrfachsteckdose ein. Damit überbrücke ich den fehlenden Meter Kabel und kann, wenn ich möchte, noch meinen E-book-Reader, meinen Laptop oder das Tablet bequem laden, ohne über die Redonflaschen zu stolpern.
(Alternativ lohnt sich auch die Anschaffung von langen Ladekabeln, für mich allerdings tut es auch die gute, alte Mehrfachsteckdose)

Beutel
Apropros Redons! Nach einer Brus-OP kann es sein, dass ihr Drainagen haben werdet, die die Wundflüssigkeit aus der Brust fördern.
Ein Beutel (Achtung wichtig!) mit langen Henkeln ist äußerst praktisch, wenn ihr euch ein bisschen bewegen wollt (Toilettengang) und Flasche und Schläuche sicher verstaut sein sollen.

Trockenshampoo (als Nice-to-have)
Für diejenigen, die (schon) Haare haben:
Haare waschen funktioniert in aller Regel so, dass man beide Hände angewinkelt über dem Kopf hält und shampooniert, was das Zeug hält. Diese Körperhaltung ist nach einer Brust-OP allerdings kontraproduktiv und unangenehm.
Trockenshampoo überbrückt so einige non-fresh-bad-hair-Situationen.
Alternativ gehen aber natürlich auch Haarbänder, Cappys, Klammern und was ihr sonst üblicherweise so benutzt. Ich habe nach jeder Operation tatsächlich bis zum Ziehen der Fänden „Duschen ohne Haare“ praktiziert, weil ich die Shampooreste nicht über die Brust laufen lassen wollte.

Ohrstöpsel
„Ich schnarche nicht“. Echt nicht.
Ich schlafe still mit tiefer Atmung zur Seite gerollt in meinem Bett. Theoretisch. Kommt euch das bekannt vor?
Im Krankenhaus gelten andere Naturgesetze. Der Stillschläfer schreckt nachts durch sein eigenes Gesäge auf und der Zimmernachbar produziert Geräusche, die ihr so noch niemals bei einem Homo Sapiens wahrgenommen habt. Hulk als Bettnachbar- Grandios.
Ich sag euch, wie es ist: Ungewohnte Rückenlage, der Hals vielleicht noch trocken, durch den Tubus, die Nase zu, weil das Schlafklima plötzlich doch ganz anders ist.
Herzlichen Glückwunsch: Du bist – zumindest im Krankenhaus- zu einem Schnarchfred geworden.

Ich packe deshalb immer zwei Paar Ohrstöpsel ein: Ein Paar für mich und eins biete ich meiner Bettnachbarin an.
Einfach für den Fall der Fälle- und nebenbei ist das Eis zum Nachbarbett auch schon gebrochen.

Und da wir gerade schon bei Rücksicht und Bettnachbarschaft in Crime sind:

Kopfhörer
Pack unbedingt Kopfhörer ein!
Ein Paar, die mit deinem Endgerät kompatibel sind, und ein Paar mit diesen „alten“ Steckern.
Manchmal hat man das Glück und kann ein bisschen im Bett TV schauen, leider sind die Fernseher meistens nur mit „den alten“ Steckern kompatibel.

Kissen
In manchen Kliniken bekommt ihr zur Brust-OP ein Herzkissen und das ist wirklich super!
Ich habe es geliebt, als kleine Stütze, oder als Abstandshalter unter meinem Arm.
Trotzdem lohnt es sich noch 1-2 kleine Kissen mitzunehmen.
Als Nackenstütze, zur Armauflage, um die Füße etwas höher zu lagern.
Das ist übrigens auch ein Tipp für zu Hause: Ich bin passionierte Seitenschläferin. Mit Kissen konnte ich mir eine „Mauer“ bauen, um besonders in der ersten Zeit nachts nicht zur Seite zu kullern.
Falls ihr noch ein Stillkissen habt ist das perfekt, wenn nicht, dann stürzt euch nicht in Unkosten.
Auch die Sofakissen erfüllen hierzu ihren Zweck.

Snacks
Ich glaube, das erübrigt jede Erklärung. Jeder, der bereits im Krankenhaus gewesen ist weiß, dass einen keine kulinarische Erholungsreise erwartet.
Ich empfehle schonende Snacks. Eine häufige Nebenwirkung von Narkosen ist Übelkeit.
Und auch der gesunde Menschenverstand weiß, dass die Verdauung während OP und Narkose ruht und erst einmal schonend in Gang kommen muss.
Ich packe deshalb meistens eine Banane, Reiswaffeln, Mandeln und Rosinen ein.
Die sind schonend, gut verdaulich und lassen sich gut wegsnacken.
Für mein „nächstes Mal“ packe ich auch noch Salzstangen und Müsli ein
(Mit dem dringenden Wunsch, kein nächstes Mal mehr zu haben).
Und ganz ehrlich? Schokolade ist natürlich auch total okay!

Kleidung
Die Brust ist operiert. Was ziehe ich an, wenn ich meine Arme nicht heben kann?
Viele empfehlen Oberteile mit Knopfleiste oder Reißverschluss. Ich persönlich habe mir nach der ersten OP geschworen, genau diese Kleidungsstücke nicht mehr einzupacken.
Warum?
Die Knopfleiste/Reißverschluss auf meinem nackten Bauch hat mich wahnsinnig gemacht. Ich habe kaum eine gute Schlafposition gefunden. Wenn ich also sowieso etwas „drunter“ ziehen muss, stehe ich quasi wieder am Anfang der „Suche“.

Ich kann dir natürlich nicht sagen, welches Kleidungsstück für dich am Angenehmsten sein wird, aber ich kann dir einige Kriterien mit auf den Weg geben, die sich für mich bewährt haben:

  • Keine hellen Farben! (Es kann sein, dass du irgendwo nochmal nachblutest- schade ums Gewand!)
  • Wahrscheinlich bekommst du Drainage(n). Schläuche, die durch Shirts an den Körper gedrückt werden, zwicken. Wähle vielleicht lieber lockere Kleidung.
  • Die Ärztin kommt zur Visite, die Schwester mit dem Kühlpack, oder du hast gekleckert und möchtest dich umziehen? Wähle etwas, das unkompliziert zu öffnen ist und zum Umziehen ist.

Die für mich optimale Kleidung waren Carmen-Tops (schulterfreie Oberteile).
Die konnte ich nämlich auch anziehen, indem ich „reingestiegen“ bin- es also nicht über den Kopf ziehen musste.
Oft muss man das Oberteil zur Visite nicht ausziehen, sondern kann es einfach runterschieben und danach unkompliziert wieder hoch-.
Ich habe mich sehr wohl darin gefühlt, weil ich einfach „angezogen“ gewesen bin.

Auch perfekt: Alte Stilloberteile (super zum kühlen) ;-), und im Sommer alle Arten von weiten Sommerkleidern mit Spaghettioberteil.

Natürlich packt ihr noch frische Schlübbis, Schlafanzug und Zahnbürste ein und wenn ihr gut seid, wählt ihr ein Schuhwerk, in das ihr einfach reinschlüpfen könnt.

Das war es mit meinen Tips für die Kliniktasche. Vielleicht habt ihr noch eine gute Ergänzung, ein Veto oder einen Tip- ich würde mich freuen, wenn ihr den in eure Kommentare schreibt.

Im nächsten Artikel beschäftigen wir uns mit der Auswahl der richtigen Prothetik und dem Leben ohne Brüste.

Ich wünsche allen, die die Operation noch vor sich haben jetzt schon eine gute Besserung, eine gute Wundheilung und eine liebe Zimmergefährtin!

Bis dahin- ich freue mich auf euch!
Alles Liebe,

Paulina

2 Kommentare zu „2021 Die Kliniktasche: Eine Packliste

  1. Hi Paulina,
    vielen Dank für die super Packliste! Ich hab meine Mastektomie nächste Woche und mache mir auch schon Gedanken, was ich alles mitnehmen muss/will.
    Ich hab noch nen Igelball aufgeschrieben (hab noch ein bisschen mit Hand-und Fußschmerzen zu tun). Alles Gute und liebe Grüße aus Hamburg nach Hamburg 🙂

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